DIE Zeit, 17/2004 Urs Willmann, Kurzzitat

Das Trostwerk will wieder möglich machen, was viele sich zu verlangen gar nicht mehr getraut haben: dass Angehörige mehrmals Abschied nehmen können, dass sie Sarg, Begräbnisfeier, Grab und Rede selbst gestalten können. …

Hillermann und Sasse garantieren, dass ein Toter nicht durch sieben Hände geht. Stets betreut ein Zweierteam einen Todesfall, vom Beratungsgespräch bis zur Beisetzung – oder auch darüber hinaus. Außerdem werden auf Wunsch Frauen von Frauen bestattet. Das mediokre Image ihrer Branche kotern die Trostwerker mit größtmöglicher Transparenz. Angehörige dürfen auf Wunsch bei jedem Arbeitsschritt dabei sein.

Das bietet den Angehörigen die Möglichkeit, den Abschied so intensiv wie möglich zu gestalten. Man soll sich die Erfahrung nicht nehmen lassen, körperlich zu spüren und auch zu riechen, dass jemand tot ist, sagt Hillrmann. Die Trennung des Toten von seinem Körper ist so eher nachvollziehbar. Damit meint er die Separierung, die jedem Hinterbliebenen im Kopf gelingen sollte: Der Körper zerfällt, aber losgelöst davon leben Erinnerung, Liebe und Seele (was immer der Einzelne darunter versteht) weiter. Erst dann, nach dem Vollzug der Trennung , sagt Hillermann, kann man sich im Guten auf die Erinnerung einlassen.

Am wichtigsten ist ihm das Wohl der Kunden – also der Lebenden. Mit der Belegung von Doppel- und Dreifachzeiten in den Abfertigungshallen der Großfriedhöfe verhindern die Trostwerker, dass nach dem letzten Orgeltakt die Trauergemeinde umgehend vertrieben wird. …





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